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Freiwillige Feuerwehr Geisa Als Tag des Schreckens ging der 23. Juni 1858 in die Geisaer Stadtgeschichte ein. Im Haus des Schuhmachers Kaspar Möller war ein Feuer ausgebrochen. Rasch breitete es sich aus und entwickelte sich zur Katastrophe für die Oberstadt. 130 Wohnhäuser und 120 Nebengebäude versanken in Schutt und Asche. Ein vierjähriges Kind kam in den Flammen um. Viele Familien standen vor dem Nichts. Auch das Rathaus, die Apotheke und der evangelische Betsaal wurden zerstört. Der damalige Bürgermeister Rimbach reagierte: Am 28. Juni, nur wenige Tage nach dem Brand, verpflichtete er acht Löschmannschaften mit insgesamt 160 Mann. Wahrscheinlich im selben Jahr entstand am Markt das erste Spritzenhaus der Ulsterstadt. Davon gehen die Hobbyhistoriker Wilhelm Ritz und Heinz Kleber aus, die 1995 in der von der Chorgemeinschaft herausgegebenen Festschrift „Die Vereine der Stadt Geisa“ auch die Feuerwehrgeschichte betrachteten. Technische Grenzen Im Sommer 1881 wurde schließlich die Freiwillige Feuerwehr gegründet, ein Jahr vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Bildung von Feuerwehren im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Simon Henning war der erste „Commandeur“, 1882 übernahm Andreas Deschauer dieses Amt. „Die Feuerwehr besaß zu dieser Zeit unter anderem drei Wasserzubringer, eine Spritze mit Rohr, etwa 350 Meter Schläuche, 52 Wassereimer, elf Leitern sowie je 51 Helme und Blusen und hatte laut Bericht von 1884 eine Mitgliederstärke von 50 Mann“, fanden Kleber und Ritz heraus. Darüber hinaus gab es noch eine Hilfsmannschaft von 35 bis 40 Geisaern. Trotz allen Engagements setzte die damalige technische Ausstattung der Schlagkraft der Feuerwehr gerade in der dicht bebauten Innenstadt erhebliche Grenzen. Das bekamen die Geisaer am 28. April 1883 in brutaler Weise zu spüren. Die Tochter des Webers Schwert hatte auf ihrem Grundstück mitten in der Stadt glühende Asche auf die Miste geschüttet. Das Stroh fing Feuer, der starke Wind, der an diesem Tage blies, trug die Flammen von Haus zu Haus. Hitze und Wind wurden immer stärker und behinderten die Löscharbeiten. Feuerwehren aus vielen Orten der Region wurden zu Hilfe gerufen. Männer, Frauen und sogar Kinder bildeten Eimerketten zu Ulster, Mühlgraben und Geisbach. Dennoch breitete sich die Feuersbrunst immer weiter aus. Rund 60 Wohnhäuser und zahlreiche Nebengebäude wurden vernichtet, wiederum standen viele Geisaer vor dem Nichts. Ein Großfeuer kleineren Ausmaßes verzeichnet die Chronik am 20. April 1926 Damals fielen im Bereich der Bahnhofstraße, auf der „Insel“ zwischen Ulster- und Mühlgrabenbrücke, acht Wohnhäuser und mehrere Nebengebäude den Flammen zum Opfer. Die Geisaer Feuerwehr leistete in all den Jahren ihres Bestehens stets gute Arbeit und war immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Immer wieder wurde neue, verbesserte Technik angeschafft. Voriges Jahr zum Beispiel erhielten die Geisaer Floriansjünger ein neues Tanklöschfahrzeug, welches einen Oldtimer aus dem Jahr 1965 ablöste. Brände in der Innenstadt gab es auch in jüngster Zeit. Die gut ausgebildeten und engagierten Feuerwehrleute mit moderner Einsatztechnik bekamen diese Feuer jedoch stets schnell in Griff, so dass Katastrophen, wie sie in der Geschichte vorkamen, verhindert werden konnten. Dies gelang zum Beispiel im März 2006, als mitten in der Innenstadt eine Scheune in Brand geraten war. Das Gebäude selbst wurde zwar komplett Opfer der Flammen, doch gelang es den Feuerwehrleuten, ein Übergreifen der Flammen auf das dicht angrenzende Wohnhaus und weitere Nachbargebäude zu verhindern. Auch bei Bränden in Nachbarorten waren die Geisaer mit im Einsatz, beispielsweise, als im April 2003 die Wallfahrtskapelle auf dem Weiherberg bei Geismar in Flammen stand, beim Brand in der Milchviehanlage in Bremen, mehreren Scheunenbränden und beim Großbrand vor einigen Jahren im Ortsinneren von Geismar. Immer wieder werden die Feuerwehrleute zur technischen Hilfeleistung nach Verkehrsunfällen gerufen, spektakuläre Einsätze in den vergangenen Jahren waren hierbei ein brennender Bus sowie ein großer Lastwagen, der in der Rasdorfer Straße in Geisa in einen Vorgarten stürzte. Mitstreiter gesucht
Die Geisaer sind jedoch auch überregional im Einsatz. „Zu unserer Wehr gehört ein Katastrophenschutzzug“, sagt Daniel Dittmar, einer der drei Feuerwehrleute, die in diesem Zug direkt ihren Dienst versehen, unterstützt von weiteren Helfern aus der Wehr. Sechs Jahre dauert der aktive Dienst in einem Katastrophenschutzzug, wobei einmal monatlich eine Ausbildung zu absolvieren ist. „Dieser Dienst wird als Wehrersatzdienst anerkannt“, sagt Dittmar und betont, dass die Katastrophenschützer immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern sind. Im Ernstfall werden die Kameraden landes-, ja sogar bundesweit zum Einsatz gerufen. Als vor einigen Jahren die Menschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit einem schweren Elbhochwasser kämpften, waren die Geisaer in Dresden im Einsatz. An mehreren Großübungen im Eisenbahntunnel bei Förtha nahmen die Rhöner ebenfalls teil. Eine gute Zusammenarbeit besteht mit dem Deutschen Roten Kreuz, das in Geisa eine aktive Ortsgruppe hat. Zwei DRK-Kameradinnen traten extra in die Feuerwehr ein, fahren nun bei Einsätzen der Floriansjünger mit und leisten im Bedarfsfall Erste Hilfe, erzählt Diana Grünberg (stellvertretende Wehrführerin). Sehr aktiv und erfolgreich ist die im Januar 1991 gegründete Jugendfeuerwehr. So nahmen die Nachwuchs-Floriansjünger am Bundeswettkampf und drei Landesausscheiden teil. Regelmäßig sind sie bei Zeltlagern und Wettkämpfen auf Kreisebene dabei und unternehmen Ausflüge. Die Feuerwehrleute loben zudem die gute Zusammenarbeit mit Geisas Bürgermeister Martin Henkel. Im Mai 1994 gründeten die Geisaer einen Feuerwehrverein. Anfang der 90er-Jahre knüpften sie partnerschaftliche Beziehungen zu den Wehren in Hünfeld und Gillenfeld. Doch sogar in New York ist die Geisaer Feuerwehr bekannt. Daniel Dittmar hatte als 14-Jähriger Schüler im Dezember 2001, wenige Monate nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center, die „Firefighters“ der „Engine 1, ladder 24“ in der amerikanischen Großstadt besucht. Diese Wehr ist im Zentrum in Manhattan stationiert und war am 11. September als eine der ersten am Ort der Katastrophe. Als Zeichen der Verbundenheit hatte Daniel Dittmar bei seinem Besuch einen Helm der Geisaer Feuerwehr überreicht. 2006 besuchte der Geisaer mit einer Schülergruppe des Vachaer Seume-Gymnasiums die Wache erneut. Dort erfuhren die Rhöner, dass der Helm aus der Ulsterstadt in einem Feuerwehrmuseum ausgestellt wird. |


